Prosa

Asja Bakić: Mars

Asja Bakić wurde 1982 in Tuzla, Bosnien und Herzegowina, geboren. Sie absolvierte ein Studium der Bosnischen Sprache und Literatur. Sie veröffentlichte 2009 den Lyrikband „Može i kaktus, samo da bode“ („Es darf auch ein Kaktus sein, nur stechen soll er“) und 2015 den Erzählungsband „Mars“. Sie war Mitbegründerin und Redakteurin des Internetmagazins Muf, das auf feministische Lesearten von Popkultur spezialisiert war. Sie ist auch als literarische Übersetzerin tätig. Literature Across Frontiers erklӓrte sie 2017 zu einer der zehn New Voices of Europe. „Mars“ wurde 2018 in den USA veröffentlicht. Sie lebt in Zagreb.



 

 

Auszug aus der Erzählung „Mars“. 

Aus dem Kroatischen von Klaus Detlef Olof.

 

 

Die Tage vergingen langsam wie Jahre.

Gegen Ende der Woche fing die Mutter an zu packen – sie machte drei Rucksäcke fertig: zwei große und einen kleinen.

Dem älteren Töchterchen hängte sie ein Kettchen um den Hals – Gold, das widerstandsfähigste, beständigste von allen Elementen.

Die eigenen Finger schmückte sie mit Ringen.

Den Rest versteckte sie im Rucksack.

Sie wollte den Transporteuren nicht sofort alles zeigen, damit die Organisatoren nicht gierig werden und den Preis für die Fahrt nach Ancona erhöhen.

– Wir haben nicht viel – sagte sie zu den Nachbarn. – Ich weiß nicht, ob das genug sein wird.

– Die Leute sind Humanitäre, sie werden Verständnis haben, trösteten sie sich, aber keiner von ihnen war sich sicher.

Sie hatten von Reisenden gehört, die ins Meer gestoßen wurden, weil sie nicht genug hatten.

Auch ohne Gold um den Hals ist der Mensch schwer genug um zu versinken.

Morgens um acht hielt vor dem Wohnblock ein gepanzerter Geländewagen.

– Rein mit euch – sagten die Männer ungeduldig.

Die Familie stieg schweigend ein.

Als sie die Stadt verließen, drehten sich die Eltern nicht um.

Die Kinder indessen drehten sich immer wieder um, um zu sehen, wie die Hochhäuser aus der Ferne aussehen.

Ihnen schien es, als hätte sich die gesamte Stadt gebeugt wie die beiden Alten aus ihrem Block.

Die Mutter gab sofort zwei Ringe und eine Kette und ein paar Kristallgläser.

Die Männer schienen damit zufrieden zu sein.

– Wird genug Platz sein für alle? – fragte der Vater.

– Ja – gab der Fahrer zur Antwort.

Er hatte einen starken Akzent.

– Woher kommen Sie? – fragte die Mutter.

– Senegal.

Die Eltern konnten kein Französisch, sie sprachen mit den Fremden Englisch.

Die Männer waren nicht unfreundlich.

Den Mädchen gaben sie je einen Apfel, was beruhigend war.

Der Geländewagen lud sie an einer nicht erkennbaren Örtlichkeit aus, die denen glich, die sie durch die Wagenfenster hatten sehen können.

Hier sollten sie auf den Bus mit den übrigen Passagieren warten.

Die Senegalesen fuhren sofort weiter.

Außer ihnen wartete auf dem lehmigen Weg noch ein Dutzend Menschen auf den Bus.

Alle sahen verängstigt aus.

– Mama, was sind das für Menschen – fragte das ältere Mädchen.

– Menschen wie wir – sagte die Mutter leise – Menschen, die ein besseres Leben wollen.

Es wurde dunkel.

Der Autobus kam und kam nicht.

Die Erwachsenen machten sich untereinander bekannt, sprachen miteinander, aber die Kinder blieben misstrauisch.

Sie waren schmutzig im Gesicht, sie sahen aus wie kleine Monster.

Die Mädchen hörten, wie ihre Eltern mit den Eltern der anderen Kinder sprachen, sie selbst trauten sich aber nicht das gleiche zu tun.

– Es wurde gesagt, dass wir mit einem größeren Schiff bis zur Westküste fahren werden, aber ich glaube nichts, bevor ich es nicht mit eigenen Augen sehe – sagte jemand von den Erwachsenen.

– Sie haben recht – sagte die Mutter. – Nichts ist sicher.

– Und essen? Wird es was zu essen geben? – fragte eine kleine Frau, die den Kindern den Rücken zukehrte.

– Sie haben es versprochen – sagte die Mutter.

Die Kinder hatten Angst vor der Westküste und dem großen Schiff.

Etliche von ihnen hatten das Meer noch nie gesehen.

Als der Bus endlich da war, gab es nicht genügend Platz.

Ein Streit brach aus, aber am Ende wurde er beigelegt.

Die Frauen und Kinder saßen, ein Teil der Männer stand.

Das jüngere Mädchen saß bei der Mutter auf dem Schoß, das große beim Vater – so mussten sie sich einrichten, weil sonst auch der Vater hätte stehen müssen, und die Fahrt war lang.

Stehend hätte er es nicht so lange ausgehalten.

Kontrollpunkte gab es überhaupt keine.

Sie fuhren ohne Unterbrechung.

In der Nacht sah die Landschaft grauenvoll aus.

Die Straße war voller Löcher.

Grün gab es überhaupt nicht, als hätte ein großer Fuß mit einem einzigen Tritt alles dem Erdboden gleich gemacht.

– Mama, warum ist alles so schwarz? – fragte die kleine Tochter, als sie aufwachte.

– Deshalb, weil die Nacht eingefallen ist – gab die Mutter zur Antwort.

– Aber wenn es Tag ist – fuhr das Mädchen fort – ist es immer noch schwarz. Wieso?

Die Mutter wusste nicht, was sie sagen sollte.

Sie umarmte das Kind und küsste es.

Am Schluss waren alle eingeschlafen, betäubt durch das ständige Rütteln des Busses.

Manchmal, wenn ein Loch auf der Straße besonders groß war, konnte es passieren, dass die Eltern aufzuckten, danach schliefen sie aber sofort weiter.

Die Zeit verging, niemand wusste wie.

Die Kinder waren ruhig, sogar die jüngsten.

Niemand weinte.

– Ancona! – rief endlich jemand.

Alle rissen die Augen auf, als wären sie gerade aus einem mehrhundertjährigen Schlaf erwacht.

Berge von Altmetall, auf einen Haufen geworfen, die Wracks alter Schiffe – sie waren angekommen.

Vor ihren Augen erstreckte sich der große heruntergekommene Hafen.

Der Fahrer lachte, er war zufrieden, dass alles in bester Ordnung abgelaufen war.

– Ein netter Mensch – kommentierte ein Passagier.

Das Schiff, eigentlich ein Schiffchen, mit dem sie losfahren sollten, sah trostlos aus.

Auf der rechten Flanke stand "Marina".

Die Eltern schienen besorgt.

– Das ist schlimmer als ein Floß – sagte der Vater, aber nicht zu laut, damit ihn niemand hörte.

– Es gibt Platz für alle – sagte der Fahrer laut. – Machen Sie sich keine Sorgen, die "Marina" hat alle ihre Bekannten, Nachbarn und Verwandten hinübergebracht. Sie sind nicht die ersten.

– Wer ist der Kapitän? – fragte der Vater.

– Das bin ich – ließ sich der Busfahrer vernehmen.

Die Leute sahen sich an.

– Keine Sorge, ich kann auch ein Flugzeug steuern – versuchte der Fahrer sie zu beruhigen.

Die Mädchen sahen ihn begeistert an.

Vielleicht hatte gerade er ihnen mit dem Flugzeug all die Pakete mit humanitärer Hilfe zugestellt, die Trockenkekse und die leckeren Fleischkonserven.

Alle drängten rasch in die Kabine.

Essen und Trinkwasser gab es nahezu keines.

Die Mädchen erinnerte das alles an den feuchten Keller ihres Wohnblocks.

– On y va! – hörten sie eines der beiden Besatzungsmitglieder sagen.

Bald war auch Ancona nur noch ein kleiner Punkt im Hintergrund.

Mit dem Verschwinden des europäischen Festlands nahm die Angst der Reisenden immer mehr zu.

– Papa, wer lebt alles in Afrika? – fragte das ältere Mädchen.

– Unterschiedliche Menschen – gab der Vater zur Antwort.

– Was sind das für welche? – bohrte es weiter.

– Gute Menschen. Solche, die uns helfen werden.

– Und wie werden sie uns helfen?

– Sie werden uns zu essen geben und einen Platz zum Schlafen.

Das Schiff schaukelte, das Meer war aufgewühlt.

Ein Teil der Passagiere musste ständig aufs Deck hinaus, um sich zu übergeben.

Als das Schaukeln des Schiffes besonders stark war, rezitierte die jüngere Tochter leise Teile aus dem Bauch von Paris.

Bei jedem Stoß der Wellen sagte das Mädchen Karotten, Tomaten, Kohl.

Als wäre ihr Mund, mit dem sie es laut sagte, statt mit stickiger Luft mit all diesem Gemüse gefüllt.

Einzig das konnte sie beruhigen.

– Werden sie uns Kuchen geben? – hörte sie ihre kleine Schwester den Vater fragen.

– Ich bin mir sicher, dass sie das tun werden.

– Deshalb, weil sie gut sind?

– Ja, deshalb, weil sie gut sind.

– Und sind wir gut? – fragte das Mädchen.

– Natürlich sind wir das – gab der Vater zur Antwort.

Nach einiger Zeit kam ein Mitglied der Besatzung, ein Marokkaner, wenn sie ihn richtig verstanden hatten, mit einer Tasche in der Hand zu ihnen unter Deck hinunter.

Er verlangte, dass jeder so viel bezahlen solle, wie er könne.

Die Mutter gab zwei Kettchen, die sie dem Kind vom Hals nahm.

Das Mädchen begann vor Angst zu zittern.

– Denk an etwas Schönes – sagte die Mutter zu ihm.

Aber das Mädchen konnte nicht.

– Es wird alles in Ordnung sein – sagten die Eltern immer wieder zu ihren Kindern.

Die Mädchen hatten vor der Fahrt alle afrikanischen Länder und Hauptstädte auswendig gelernt, nur das Essen konnten sie besser aufzählen.

Hätte einer der Passagiere sie gefragt, was die Hauptstadt von Senegal sei, wäre er begeistert gewesen, aber alle Passagiere saßen still da und hatten den Kopf zwischen die Knie gesenkt.

Alle fragten sich, wie dieser Westen aussehen und wie das Leben dort sein würde.

War es wirklich so viel besser?

Die Wellen schlugen von allen Seiten gegen das kleine Schiff, unaufhörlich – als wollten sie mit aller Gewalt den Menschen die Welt auf den Kopf stellen.

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Natječaj ''Sedmica & Kritična masa'' 2020 - uži izbor

Nakon šireg izbora slijedi uži izbor nagrade ''Sedmica & Kritična masa'' za mlade prozne autore. Pogledajte tko su sedmero odabranih.

o nama

Natječaj ''Sedmica & Kritična masa'' - popis šireg izbora, pred objavu užeg

Natječaj ''Sedmica & Kritična masa'' za mlade autorice i autore do 35 godina starosti bliži se svome kraju. Ovo je peto izdanje nagrade, utemeljene 2015. godine, koja pruža pregled mlađe prozne scene (širi i uži izbor) i promovira nova prozna imena. Prva nagrada iznosi 5.000 kuna (bruto iznos) i dodjeljuje se uz plaketu. Prethodnih su godina nagradu dobile Ana Rajković, Jelena Zlatar, Marina Gudelj i Mira Petrović.

proza

Marina Gudelj: Ljudi na uglu ulice, pokraj prodavaonice pića

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - UŽI IZBOR 2020.

Marina Gudelj (1988., Split) završila je Hrvatski jezik i književnost na Sveučilištu u Zadru. Radi kao nastavnica Hrvatskog jezika u školi. Prvi književni rad, kratka priča Semafor, šahta, apoteka, birtija objavljena je u Zarezu 2015. godine. Iste je godine osvojila prvu književnu nagradu na portalu KSET-a za priču Kamo idu irske mačke. 2017. godine osvaja prvo mjesto na natječaju Kritične mase za priču Lee. S istom pričom iduće godine sudjeluje na LitLink festivalu u Zagrebu. 2018. godine osvaja treće mjesto s pričom Dulcinea na konjaku na 17. izdanju Festivala europske kratke priče, a krajem iste godine ulazi u uži izbor natječaja Prvi Prozak i Na vrhu jezika s pričom Vještica. 2019. godine osvaja nagradu Prvi Prozak za autore do 35 godina starosti, a objava zbirke priča očekuje se sredinom 2020. godine.

proza

Vid Hribar: Bilješke za preživljavanje

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - UŽI IZBOR 2020.

Vid Hribar (1993., Zagreb) je trenutno na završnoj godini diplomskog studija na odsjeku dramaturgije pri Akademiji dramske umjetnosti u Zagrebu. Piše scenarije, drame, poeziju, kratke priče, uz to se bavi komponiranjem i sviranjem klavira u brojnim zagrebačkim bendovima. Na radiju se izvode njegove ''Nule i ništice'' (2017.), radiodrama inspirirana motivima Harmsove istoimene zbirke kratkih priča, drama ''Oskarov san'' (2019.) te ''Od Vlaške do Britanca'' (2019.). Njegova drama ''Tuneli'' prevedena je na makedonski jezik od strane Makedonskog centra ITI, a njegova drama ''404'' objavljena je na portalu drame.hr. Kao kompozitor radi na nizu kazališnih, filmskih, televizijskih te radiodramskih projekata.

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Luca Kozina: Grbava plesačica

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - UŽI IZBOR 2020.

Luca Kozina (1990., Split) piše prozu i poeziju. Radovi su joj objavljeni u časopisima: Zarez, Fantom Slobode, Mogućnosti, Republika, u zborniku Rukopisi 43 te na internetu (Zvona i Nari, Književnost Uživo, Kultipraktik, Nema). Dobitnica je nagrade Prozak za 2019. godinu. Piše književne kritike za portal Booksa. Članica je književne grupe NKV.

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Petra Bolić: Hans.

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Petra Bolić (1992., Varaždinu) studirala je francuski jezik i književnost, kulturološku germanistiku i književno-interkulturalnu južnoslavistiku na Filozofskom fakultetu u Zagrebu i Karl-Franzens Universität u Grazu. Znanstveno polje interesa su joj njemačko-južnoslavenski kulturno-književni transferi i suvremena slovenska proza. U slobodno se vrijeme bavi književnim prevođenjem i književnom kritikom. Vlastitu je kratku prozu do današnjega dana skrivala u ladicama.

proza

Ivana Pintarić: Propuštanje riječi

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Ivana Pintarić (1988., Zagreb) je edukacijski rehabilitator. Piše poeziju i kratke priče. Ulomkom iz romana ''Gorimo (ali ne boli više)'' ušla je u finale izbora za nagradu "Sedmica & Kritična masa" 2015. godine. Ulazi u širi izbor nagrade "Sedmica & Kritična masa" 2017. ulomkom iz romana "Ovo nije putopis o Americi". Bila je polaznica Booksine radionice pisanja kratke priče pod mentorstvom Zorana Ferića. Objavila je radove na portalima kultipraktik.org i booksa.hr. Objavila je priču u časopisu Fantom slobode. Članica je književne grupe ZLO koja okuplja mlade pisce različitih književnih afiniteta i usmjerenja, koji zajednički promiču ''mladu'' književnost, sudjeluju na književnim natječajima, festivalima te organiziraju književne susrete i čitanja.

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Josip Čekolj: Kokoši ne letiju visoko

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Josip Čekolj (1999., Zabok) student je treće godine kroatistike te etnologije i kulturne antropologije na Filozofskom fakultetu u Zagrebu. Dosad je svoje pjesme i kratke priče objavljivao u hrvatskim i regionalnim časopisima i zbornicima poput ''Rukopisa'', ''Alepha'', ''PoZiCe'', zbornika Gornjogradskog književnog festivala, Po(e)zitive i drugih te na portalima Kritična masa, Strane, Poeziju na štrikove, Čovjek-časopis i NEMA. Ovog ljeta izdaje dječju slikovnicu ''Srna i Mak u potrazi za uplašenim mjesecom'' u nakladi Mala zvona. S pjesničkim rukopisom ''Junaci i zmajevi su izumiruće vrste'' ušao je uži krug za nagradu ''Na vrh jezika'' 2019. godine.

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Ana Vučić: U Limbu

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Ana Vučić (1992., Karlovac) još uvijek pokušava završiti Kroatistiku i Sociologiju na Filozofskom fakultetu u Zagrebu. Dosad su joj objavljene neke pjesme i jedan ulomak u studentskim časopisima i na Kritičnoj masi. Otkad je Jastrebarsko zamijenila Zagrebom piše tek neznatno više. U slobodno vrijeme čita, gleda sport i serije te mašta o obrani diplomskog rada u normalnim okolnostima. Vrhuncem svoje dosadašnje književne karijere smatra sudjelovanje na prvoj Kroeziji u kafiću Luxor.

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Ivan Katičić: Klošari

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Ivan Katičić (1990., Split) objavio je zbirku kratkih priča ''Pet metara bliže zvijezdama'' (Pučko otvoreno učilište Velika Gorica, 2016.). Živi i ne radi u Omišu.

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Gabrijel Delić: Orlovski

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR 2020.

Gabrijel Delić (1998., Zagreb) napisao je nekoliko članaka na temu automobilizma objavljenih na jednoj britanskoj web-stranici i poneku kratku priču od kojih je zadnja objavljena u regionalnom natječaju ''Biber'' za 2019. godinu.

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