Prosa

Irena Lukšić: Cohen . . . verzweifelt gesucht

IRENA LUKŠIĆ wurde 1953 in Duga Resa geboren. Ihren Diplom­-Abschluss erhielt sie an der Philosophischen Fakultät in Zagreb, wo sie auch promovierte. Sie verfasst Prosa, Bühnenstücke, Es­says, Erzählungen, Fernseh- und Hörspiele, Drehbücher, Fachabhandlungen und wissenschaftliche Arbeiten und übersetzt aus dem Russischen. Ihre Prosa wurde ins Englische, Mazedonische, Deutsche, Slowenische und Türkische übersetzt und in zahlrei­che Anthologien aufgenommen. Sie ist Redakteurin der Biblio­theken Književna smotra ("Literaturschau") und Na tragu klasika ("Auf den Spuren der Klassiker") und Redaktionsmitglied bei mehreren kroatischen und ausländischen Zeitschriften . Über dreihundert Arbeiten über russische und kroatische Literatur hat sie in Publikationen im In- und Ausland veröffentlicht sowie Werke zahlreicher russischer Autoren ins Kroatische übersetzt. Für ihre Tätigkeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie die Goldene Plakette des Kulturvereines Matica hrvatska und den J.J. Strossmayer-Preis für ihre Aufarbeitung des Tagebuchs von Dragojla Jarnević Dnevnik Dragojle Jarnević, 2001; den Kiklop-Preis für die beste Bibliothek Na tragu klasika in den Jahren 2007, 2008 und 2009; den KulturKontakte-Preis für ihre gesamte schriftstellerische, übersetzerische und redaktionelle Tätigkeit 2009; den Jahrespreis der kroatischen Vereinigung der Literaturübersetzer für die beste Übersetzung eines literarischen Werkes, 2009; den Iso-Velikanović-Preis für die beste Übersetzung 2011; den Kiklop-Preis: Redakteurln des Jahres 2011 und 2012 sowie den Kiklop -Preis für Gradovi, sela, dvorci ("Stadt, Land, Schloss") als bestes Essay-Werk 2013.



 

 

IRENA  LUKŠIĆ


Cohen ...verzweifelt gesucht
 
1.
 
 
Ich war sowohl Jasna wie auch Krešo häufig begegnet, und darin lag eigentlich nichts Ungewöhnliches. Jasna war meine beste Freundin aus Studientagen, und Krešo war - wie man das nennt - die große Liebe. Diese Begegnungen waren, wie gesagt, keineswegs sonderbar, obwohl Jasna und ich uns seinerzeit ernsthaft zerstritten hatten, ich glaube, wegen irgendeiner Geldsache, doch nichtsdesto­trotz begrüßten wir uns herzlich, wenn wir uns zufällig auf der Straße begegneten und tauschten dann beim Kaf­fee Freundlichkeiten aus. Über Krešo kam ich indes nie hinweg, die Erinnerung an ihn verblasste nie, und ich tröstete mich beharrlich damit, dass er diese verrückte Vanda verlassen würde und wir die Geschichte fortset­zen würden, die in einem September irgendwann in den zoern begonnen hatte. Krešo kam allerdings nicht zu mir zurück, sondern heiratete nach der Trennung von Vanda, die ihn bald schon hatte fallen lassen, eine Mathematik­lehrerin und zog nach Zadar. Es war ihm wohl peinlich gewesen gegenüber seinen Freunden, die große Stücke auf ihn hielten, also kehrte er seiner Heimatstadt den Rücken. Übrigens hatte ausgerechnet Jasna meine Aufmerksamkeit auf Krešo gelenkt, sie meinte, er wäre eine gute Partie, ja­wohl, und zwar an einem Nachmittag , als wir vom Baden kamen und unterwegs in eine Konditorei gingen. Wir Wa­ren wie benommen von der Sonne und müde vom ... aber gut, es ist jetzt einerlei, auf welche Art sich bald darauf unsere Lebensgeschichten miteinander verwoben. Jeder ging seiner Wege. Jedoch begab es sich, dass wir uns alle drei Ende August 2008 überraschend begegneten, und das ausgerechnet auf dem Stadtfriedhof von Karlovac! Es war ein warmer Vormittag, die Luft leicht drückend und sti­ckig, und ich steckte gerade Blumen in die Steinvase auf unserem Familiengrab, als weiter unten, an dem schmalen Zugangsweg, eine Frau mittleren Alters auftauchte, mit ei­nem prächtigen Gesteck auf dem Arm. Sofort erkannte ich diesen Gang, diese trägen Bewegungen ,die wahrscheinlich mit einem Keuchen einhergingen und ich stellte mir vor, wie sie vielleicht wütend vor sich hin schimpfte wegen der tückischen Steigung, die mit jedem Jahr immer steiler zu werden schien, so dass sie es eines Tages wohl nicht mehr hinaufschaffen würde. Ich wusste nicht, ob sie tatsächlich krank war, denn nach jenem Zerwürfnis sprachen wir nicht mehr über allzu viele persönliche Dinge, doch war es gut möglich, dass sie wegen irgendwelcher Beschwerden schon vorzeitig in Rente gehen musste. Ehrlich gesagt wollte ich ihr im ersten Moment ausweichen: Ich beugte den Kopf tief hinunter, indem ich vorgab, eine Kerze anzuzünden, und versteckte mich hinter dem ziemlich großen Grabstein , in den die Namen meiner Eltern eingemeißelt waren. Etwas sagte mir, dass unser Zusammentreffen in ein sinnloses Wortgefecht ausarten würde, beziehungsweise dass sie mich mit einem Schwall Kritik überschütten könnte, so wie damals, zu Friedenszeiten, vor unserem Streit.  Ja, ja , pflegte sie mir zu sagen, ständig sprichst du davon, wie du dieses und jenes tun würdest, dass du reich und berühmt werden würdest, aber wenn du einen konkreten Schritt machen sollst - dann machst du einen feigen Rückzieher: Du könntest nicht aus diesem Grund, du könntest nicht aus jenem Grund, es sei dieses und jenes passiert und so weiter. Anscheinend kannst du nur groß daherreden, mit den Taten hapert's dann... Ich spürte, wie von ihrer Stimme, die ich auf einmal in lebhafter Erinnerung hatte, meine Hände zu schwitzen begannen, wie sich die Lebens- und die Schick­salslinien mit einer siedend heißen Flüssigkeit aus Leid und Machtlosigkeit füllten, und was am schlimmsten war, ich bemerkte, wie ich begann, ihre Gedanken als die meinen zu wiederholen , als eine schmerzhafte Wahrheit. Ja, richtig, ich  hielt viele, viele hohle Reden, hatte viele Sprüche, die ich nicht so meinte und die ich nicht hätte sagen sollen. Oder die, besser ausgedrückt, hätten bedachter gewählt werden sollen. Deshalb zog ich mich unauffällig noch tiefer in mein Versteck zurück, in den engen Durchgang zwischen den zwei grauen Grabmälern, dem meiner Familie und dem angrenzenden, das der Familie eines angesehenen loka­len Politikers gehörte. Dort beruhigte ich mich ein wenig und brachte meinen Atem unter Kontrolle. Mir kam sogar in den Sinn, dass Jasna von der Bildfläche verschwinden würde, wenn ich bis zwanzig zählte, dass sie also während der zwanzig Sekunden in die linke Abzweigung, die zum neuen Teil des Friedhofs führte, einbiegen und zwischen den Zypressen verschwinden würde. Doch zählte ich nicht, sondern richtete, aus welchem Grund auch immer, meinen Blick auf den Eingang: Dort stand ein Mann, der Krešo, je­nem unvergesslichen Krešo,unfassbar ähnlich sah! Krešo, dessen Erinnerung nicht verblassen wollte ... die gleiche wohlproportionierte Figur, das dichte, aschblonde Haar, die Brille mit Metallfassung, das ebenmäßige Gesicht... Nein! - dachte ich. - Das war nicht möglich! Er hatte hier doch gar niemanden! Seine Eltern waren, ich wusste, dass er mir das einmal erzählt hatte, in Osijek begraben, und auch diese Mathematiklehrerin, mit der er sich nach Zadar davongemacht hatte, hatte in dieser Gegend keinerlei Verwandtschaft. Nein, das war nicht Krešo! Das war jemand, der ihm sehr ähnlich sah ... Nach einigen Augenblicken kam ich vorsichtig aus meinem steinernen Versteck hervor und  warf  einen  Blick auf  den unheilvollen Zugang und den schmalen Parkplatz: Auf dem dunklen Asphalt standen zwei Autos. Der Mann, der mich so sehr an Krešo erinnert hatte, bewegte sich in Richtung des kleineren Autos, das staubig war und ein Kennzeichen von Zadar trug. Dort blieb er stehen, zog  klimpernd einen Schlüsselbund aus der Ta­sche seiner grauen, zerknitterten Hose, öffnete gemächlich di Hintertür und stellte irgend so ein Gartenwerkzeug , kleine Rechen und eine Hacke, auf den Boden. Sodann setzte er  sich behäbig ans Steuer, putzte seine Brille mit dem Zip­fel seines bunten Hemdes und  ließ den Motor an. Er  wirkte niedergeschlagen, irgendwie gebrochen, und mit ein wenig Fantasie konnte man sich vorstellen, wie er bittere Tränen hinunterschluckte...  Ein völlig unwirklicher Anblick! Eine Halluzination! Und dann, dann tauchte zwischen den Grä­bern plötzlich jasna auf, die Frau mittleren Alters mit dem prächtigem Gesteck, und überschüttete mich sofort mit jenen Worten, die ich auf keinen Fall hören wollte:
- Schau dir an, was aus dir geworden ist! - sagte sie. - Seit dreißig jahren versuchst du, dein Leben zu regeln, und wo hist du gelandet? Am Friedhof! An der Linie, wo es kein Weiterkommen mehr gibt! Wie ist es bloß möglich, dass du so viele Bücher über den Sinn des Lebens geschrieben hast, du aber deinen Sinn so gar nicht finden kannst?!
Ich versuchte sie zum Schweigen zu bringen, aber ihre Stimme war lauter.
-Nein, du brauchst gar nichts zu sagen!-unterbrach sie mich und erhob dabei sogar leicht drohend den Zeigefin­ger. - Eine Freundin meiner Tochter Karla hat mir erzählt, dass du vor einem Monat in ihrer Sendung "Die neue Zeit" zu Gast warst und dort alle beeindruckt hast... Du hättest über sexy Comics und Rockmusik gesprochen und die al­ten Herrschaften von der Akademie ganz schön sprachlos gemacht. Sie sagte auch, dass es ein Telefonvoting gab und du die meisten Stimmen bekommen hättest ...
- Und? Was ist daran fragwürdig?
- Alles! Alles ist fragwürdig! Ich könnte glauben, dass du am Ende ernsthaft denkst, du hättest all das erreicht, was du ständig angekündigt hast ...
- Wirklich? - Ich schaute sie verwundert an.
- Ja, wirklich. Dauernd hast du erzählt, du würdest eine Rockband gründen, eine spektakulare Show aufführen, du würdest dieses und jenes machen, und dann gerät alles ins Stocken, weil du irgendjemanden nicht finden kannst. Und diese geheimnisvolle Person sei der Grund für deine Tatenlosigkeit. Ich weiß nicht einmal, wen du überhaupt gesucht hast. Gibt es denjenigen überhaupt?
- Wen?
- Den, den du suchst.
Ich sagte, class ich suchte. Dass ich immer jemanden suchte. Wenn dieser jemand aus der Vergangenheit stammt, dann würde ich sagen, ist es Emil, den ich am meisten suche.
- Da siehst du's! - seufzte Jasna. - Daran ist alles gescheitert. Emil war der, der  mit uns die Vorlesung über Literaturtheorie besucht hat. In der Zeitung stand, er hat in der Band von Leonard Cohen gespielt. Finde diesen Emil und du bleibst für mich auf ewig eine Heldin. Ich sage dir, finde Emil. Nur das eine. Finde Emil.
- Aber wo? - presste ich mit kaum horbarer Stimme hervor. (...)
 
2.
 
(...) Als sich der Bus fast geleert hatte, stand ich auf und ging langsam dem kleinen Schnauzbartträger mit den dicken Brillengläsern nach. Da läutete mein Handy und ich blickteauf das Display: Barbara. Barbara? Ja, genau, Barbara!
- Was gibt's, Barbie? - flüsterte ich, damit mich die Brillenschlange nicht horen könnte.
- Rette mich! Bitte rette mich! Sonst bringe ich mich um!
- Barbara, was ist denn passiert?
- Dieser Idiot ... dieser Vollidiot, du weißt schon, wen ich meine, ich brauche dir nichts zu erklären, dieser Idiot hat mich reingelegt und den versprochenen Text nicht ge­schickt. Los, schreib mir was, bitte, ich bitte dich, ganz egal was, einfach irgendwas, von mir aus zum Gedenktag eines bekannten Schriftstellers, die Ausgabe muss mit ein, zwei Kulturbeiträgen herauskommen ...
Während ich der aufgeregten Stimmeam Telefon lauschte, hörte ich erneut ein leises Schluchzen. Ich dachte an die Russin und schaute mich suchend nach meiner Gruppe um. Aus der Ferne erhob sich ein dumpfer Lärm.
- Pass auf, Barbara, ich bin gerade in Kanada und ...
- Auf dem Kanapee?
- Nein, in Ka-na-da...
- Ja, fantastisch!-prustete sie los, meine gute Bekannte, die stellvertretende Chefredakteurin einer bekannten Frau­enzeitschrift.
- Schreib doch was über Kanada, über den Ort, wo du dich gerade aufhältst ... Super! Schreib was über Toronto, über Ottawa... Wo hist du denn?
- Also hier... Ich blieb am Rand des Parkplatzes stehen und versuchte eine Aufschrift zu finden, die auf den Orts­ namen hinwies. Doch überall waren nur Leuchtreklamen zu sehen. Sony, General Motors, American Express, Air Canada, Affordable Website Promotion, Sheraton. Lächelnde Mädchen, kräftige Männer, wohlgenährte Haustiere, fröhlich spielende Kinderchen. In den kleinen Lücken zwischen denbekannten, weltübergreifenden Slogans auf den Werbetafeln standen Getränkestände und fein säuberlich geparkte Fahrzeuge.
- Hor zu, dann schick mir zwei, drei Seiten per Mail die Bilder nehme ich aus unserem Archiv - meinte Barbara.
- Und was willst du haben? Irgendwas?
- Na ja, nicht gerade irgendwas. - Langsam legte sich die Anspannung in Barbaras Stimme. - Es sollte schon etwas sein, was mit Kultur zu tun hat.
Ich überlegte: Eigentlich hatte bisher gar nichts mit Kultur zu tun gehabt. Oder doch? Mir fiel ein, dass in ei­ner lokalen Zeitung allerhand darüber zu lesen war, wie Madonna irgendwo in Dänemark oder Brasilien das Gleich­gewicht verloren hatte und auf der Bühne gestürzt war, aber das Konzert fortsetzte, als wäre nichts passiert. Und mir waren auch einige Zeilen über den Ehestreit der Beckhams, zwischen dem Fußballer David und der Sängerin Victoria, untergekommen.
-Komm schon, ich bitte dich, schreib mir etwas bis zum Abend. Bei uns ist es jetzt vier Uhr morgens, du hast also noch genügend Zeit...
Wir wechselten noch einige überfliissige Sätze, bevor ich die Anlegestelle erreichte. Dort herrschte kein Trubel mehr.
Die Leute aus meinem Bus waren gerade an Bord des kleinen Schiffes für die Überfahrt gegangen, und der Bursche, der die Gruppe übernommen hatte, winkte mit einer bunten Fahne. Kevin, dachte ich. Der Freund von Oksana Timoschenko aus Montreal. Während ich ihm zuschaute, wie er die Touristen geschickt über das schmale Deck verteilte, kam mir in den Sinn, dass ich ein Interview mit Agnes Cham­paign machen könnte, der leitenden Managerin des Verlags McClelland and Stewart, bei dem Leonard Cohen exklusiv un­ter Vertrag stand. Diese Frau war also gewissermaßen auch Cohens Managerin. Ich würde Agnes an den Niagarfällen abpassen und Barbara würde begeistert sein! Be-geis-tert! Der legendäre Leonard Cohen an den Niagarfällen - das wäre  keine Lappalie! Und damit wäre auch das Ziel meiner Reise gerechtfertigt. In jeder Hinsicht, wirklich jeder!
Ich ging in den leeren Bus zurück und nickte ein. Das Quatschen mit Barbara hatte mich anscheinend ein wenig aufgeregt, wohl auch wegen der hohen Handyrechnung, die ich in einem Monat erhalten würde. Aber ich wollte nach vorn schauen und meine Gedanken auf andere Dinge richten. Auf Leonard Cohen. In meinen Träumen tauchte Agnes auf, obwohl ich sie nie zuvor gesehen hatte. Ganz in Weiß gekleidet, leicht und flatternd wie ein kleiner Vogel. Sie hatte helles Haar und blaue, fast durchscheinende Au­gen. Aus dem Hintergrund drang eine raue Stimme mit den berühmten Versen:
Suzanne takes you down to her place near the river 
You can hear the boats go by
You can spend the night beside her...
 
Wahrscheinlich hatte ihr der Dichter höchstpersönlich gesagt, dass ich gekommen war und ein Exklusivinterview wünschte. Agnes klatschte sofort fröhlich in die Hände und flötete: ,,Ein Interview? Wie aufregend! Alle werden überglücklich sein, wirklich iiberglücklich!" Und mit einer Handbewegung gab sie mir zu verstehen: na los! Doch ich konnte mich nicht an die erste Frage erinnern. Seit wann sind Sie in diesem Beruf tätig? ... Nein! ... Woran arbeiten Sie gerade? ...Nein! Wo sind Sie eigentlich? Wo befinden Sie sich gerade? Haben Sie auch Alice Munro, Margaret Atwood und Michael Ondaatje unter Vertrag? Nach einigen Au­genblicken lachte Agnes auf: "Los! Lass uns auf die Turm­spitze hinaufgehen!" Auf die Turmspitze? Welcher Turm? Agnes murmelte einige Konsonanten: "Trvpzsklmrf." Trv­pzsklmrf? - wiederholte ich. "Genau! Trvpzsklmrf." Ich ver­suchte aufzustehen, doch es gelang mir nicht. Ich klebte am Untergrund fest. Oder war selbst im Untergrund aufgegan­gen. Schließlich ergab ich mich: "Ich komme nicht mit."
- Sie fahren nicht nach Toronto? - fragte eine kräch­zende Stimme irgendwo aus der Nähe. - Sie fahren nicht nach Toronto? Es war meine russische Sitznachbarin. Und zutiefst erstaunt.
-Aber das ist die Gelegenheit, den berühmten Turm zu sehen ... den CN Tower, eins der architektonischen Wunder der modernen Welt...
Leider hatte ich keine Kraft, das Gespräch fortzuführen: Ichsank in einen noch tieferen Schlaf, in eine Dunkelheit, wo nichts zu sehen und zu hören war. Ich spürte die Nähe von Trvpzsklmrf, konnte mir aber nicht erklären, was das heißen sollte. Vielleicht DCR-TRV-Kamera oder Trabzon. Temporary Resident Visa,Trujillo, Teran, Torrent, Tor, Tor, Tor ... Toronto!
Ich erwachte, als die Reisenden allmählich begannen, wieder ihre Plätze einzunehmen. Der Bus stand in Toronto. Meine russische Nachbarin war unter den letzten Einsteigen­den und augenblicklich erzählte sie mir voller Begeisterung, dass sie mit dem Elevator zur Turmspitze hochgefahren waren und man von dart oben die Umgebung wie aus einem Flugzeug betrachten konne.
- Ein fantastisches Gefühl! - sagte sie. - Es kommt ei­nem vor, als hatte man die ganze Welt unter Kontrolle. Was ich sagen will: Alles ist kleiner als man selbst!
Danach habe sie noch denberühmten Boden aus durch­sichtigem Glas betreten und in die Tiefe geblickt. Sagar schwindlig sei ihr dabei geworden, vor Angst, das durch­sichtige Material könnte durchbrechen und sie auf den Köpfen der unschuldigen Touristen am Eingang abladen.
- Das kommt daher, dass wir an einen dunklen Unter­grund gewöhnt sind, an die Erde... und das da ist schreck­lich! Man weiß nicht, ob man fliegt oder steht!
Als sie dann die Treppen hinuntergestiegen sei, endlos lange und monoton, sei sie in einer Etage stehen geblieben und habe gesehen, wie sich die Menschen um eine unge­wöhnliche Festtafel voller Speisen aus Kunststoff gedrängt hätten. Da habe sie den Wunsch verspürt, dort genauso wie die anderen ein Foto machen zu lassen, von sich allein oder gemeinsam mit dem Model im dunklen Anzug. Sie habe sich für eine Pose ohne andere Personen entschieden, bei der nur sie an dem reich gedeckten Tisch zu sehen war, damit der unbekannte Mann nicht auf falsche Gedanken käme, sie hätte ja bereits einen Mann, nicht wahr, so wirke es, als ob sie in einem feinen Restaurant säße und auf wich­tige Gesellschaft, etwa auf Geschäftsleute, wartete. Sie könnte ja wenigstens, beendete sie ihre Erzählung, das Bild nach Russland schicken, damit die Leute dort sähen, wie gut es ihr hier in Kanada ginge. (...)
 
 
Aus dem Kroatischen von Silvia Stecher

o nama

Eva Simčić pobjednica je nagrade "Sedmica & Kritična masa" (6.izdanje)

Pobjednica književne nagrade "Sedmica & Kritična masa" za mlade prozaiste je Eva Simčić (1990.) Nagrađena priča ''Maksimalizam.” neobična je i dinamična priča je o tri stana, dva grada i puno predmeta. I analitično i relaksirano, s dozom humora, na književno svjež način autorica je ispričala pamtljivu priču na temu gomilanja stvari, temu u kojoj se svi možemo barem malo prepoznati, unatoč sve većoj popularnosti minimalizma. U užem izboru nagrade, osim nagrađene Simčić, bile su Ivana Butigan, Paula Ćaćić, Marija Dejanović, Ivana Grbeša, Ljiljana Logar i Lucija Švaljek.
Ovo je bio šesti nagradni natječaj koji raspisuje Kritična masa, a partner nagrade bio je cafe-bar Sedmica (Kačićeva 7, Zagreb). Nagrada se sastoji od plakete i novčanog iznosa (5.000 kuna bruto). U žiriju nagrade bile su članice redakcije Viktorija Božina i Ilijana Marin, te vanjski članovi Branko Maleš i Damir Karakaš.

o nama

Natječaj ''Sedmica & Kritična masa'' - uži izbor

Nakon šireg izbora slijedi uži izbor nagrade ''Sedmica & Kritična masa'' za mlade prozne autore. Pročitajte tko su sedmero odabranih.

proza

Hana Kunić: Vidjela sam to

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Hana Kunić (Varaždin, 1994.) završila je varaždinsku Prvu gimnaziju nakon koje upisuje studij Glume i lutkarstva na Akademiji za umjetnost i kulturu u Osijeku, gdje je magistrirala 2017. godine. Kao Erasmus+ studentica studirala je Glumu i na Faculty of Theatre and Television u Cluj-Napoci u Rumunjskoj. Glumica je pretežno na kazališnim (HNK Varaždin, Kazalište Mala scena Zagreb, Umjetnička organizacija VRUM, Kazalište Lutonjica Toporko), a povremeno i na filmskim i radijskim projektima. Kao dramska pedagoginja djeluje u Kazališnom studiju mladih varaždinskog HNK i u romskom naselju Kuršanec u sklopu projekta Studija Pangolin. Pisanjem se bavi od osnovne škole – sudjelovala je na državnim natjecanjima LiDraNo (2010. i 2012.), izdala je zbirku poezije „Rika“ (2018.), njena prva drama „Plavo i veliko“ izvedena je na Radiju Sova (2019.), a njen prvi dječji dramski tekst „Ah, ta lektira, ne da mi mira“ postavljen je na scenu lutkarskog Kazališta Lutonjica Toporko (2021.). Suosnivačica je Umjetničke organizacije Favela. Živi u Zagrebu, puno se sunča i alergična je na banalnost.

proza

Saša Vengust: Loša kob

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Saša Vengust (Zagreb, 1988.) završio je školovanje kao maturant II. opće gimnazije. Nakon toga je naizmjence malo radio u videoteci, malo brljao na Filozofskom fakultetu po studijima filozofije, sociologije i komparativne književnosti. U naglom i iznenadnom preokretu, zaposlio se u Hladnjači i veletržnici Zagreb kao komercijalist u veleprodaji voća i povrća. Trenutačno traži posao, preuređuje kuću, savladava 3D printanje, boja minijature, uveseljava suprugu i ostale ukućane sviranjem električne gitare te redovito ide na pub kvizove da se malo makne iz kuće.

proza

Sheila Heti: Majčinstvo

Sheila Heti (1976.) jedna je od najistaknutijih kanadskih autorica svoje generacije. Studirala je dramsko pisanje, povijest umjetnosti i filozofiju. Piše romane, kratke priče, dramske tekstove i knjige za djecu. U brojnim utjecajnim medijima objavljuje književne kritike i intervjue s piscima i umjetnicima. Bestseleri How Should a Person Be? i Women in Clothes priskrbili su joj status književne zvijezde. New York Times uvrstio ju je na popis najutjecajnijih svjetskih književnica koje će odrediti način pisanja i čitanja knjiga u 21. stoljeću, a roman Majčinstvo našao se na njihovoj ljestvici najboljih knjiga 2018. godine. Hvalospjevima su se pridružili i časopisi New Yorker, Times Literary Supplement, Chicago Tribune, Vulture, Financial Times i mnogih drugi koji su je proglasili knjigom godine. Majčinstvo je tako ubrzo nakon objavljivanja postao kultni roman. Sheila Heti živi u Torontu, a njezina su djela prevedena na više od dvadeset jezika.

poezija

Selma Asotić: Izbor iz poezije

Selma Asotić je pjesnikinja. Završila je magistarski studij iz poezije na sveučilištu Boston University 2019. godine. Dobitnica je stipendije Robert Pinsky Global Fellowship i druge nagrade na književnom natječaju Brett Elizabeth Jenkins Poetry Prize. Nominirana je za nagradu Puschcart za pjesmu ''Nana'', a 2021. uvrštena je među polufinaliste/kinje nagrade 92Y Discovery Poetry Prize. Pjesme i eseje na engleskom i bhsc jeziku objavljivala je u domaćim i međunarodnim književnim časopisima.

proza

Ines Kosturin: Izbor iz poezije

Ines Kosturin (1990., Zagreb) rodom je iz Petrinje, gdje pohađa osnovnu i srednju školu (smjer opća gimnazija). Nakon toga u istom gradu upisuje Učiteljski fakultet, gdje je i diplomirala 2015. godine te stekla zvanje magistre primarnog obrazovanja. Pisanjem se bavi od mladosti, a 2014. izdaje svoju prvu samostalnu zbirku poezije, ''Papirno more''. Krajem 2020. izdaje drugu samostalnu zbirku poezije, ''Herbarij''. Pjesme objavljuje kako u domaćim, tako i u internacionalnim (regionalno i šire) zbornicima i časopisima. Na međunarodnom natječaju Concorso internazionale di poesia e teatro Castello di Duino 2018. osvaja treću nagradu. Poeziju uglavnom piše na hrvatskom i engleskom jeziku.

proza

Luka Ivković: Sat

Luka Ivković (1999., Šibenik) je student agroekologije na Agronomskom fakultetu u Zagrebu. Do sada je objavljivao u časopisu Kvaka, Kritična masa, Strane, ušao u širi izbor za Prozak 2018., uvršten u zbornik Rukopisi 43.

poezija

Bojana Guberac: Izbor iz poezije

Bojana Guberac (1991., Vukovar) odrasla je na Sušaku u Rijeci, a trenutno živi u Zagrebu. U svijet novinarstva ulazi kao kolumnistica za Kvarner News, a radijske korake započinje na Radio Sovi. Radila je kao novinarka na Radio Rijeci, u Novom listu, na Kanalu Ri te Ri portalu. Trenutno radi kao slobodna novinarka te piše za portale Lupiga, CroL te Žene i mediji. Piše pjesme od osnovne škole, ali o poeziji ozbiljnije promišlja od 2014. godine kada je pohađala radionice poezije CeKaPe-a s Julijanom Plenčom i Andreom Žicom Paskučijem pod mentorstvom pjesnikinje Kristine Posilović. 2015. godine imala je prvu samostalnu izložbu poezije o kojoj Posilović piše: ''Primarni zadatak vizualne poezije jest da poeziju učini vidljivom, tj. da probudi kod primatelja svijest o jeziku kao materiji koja se može oblikovati. Stoga Guberac pred primatelje postavlja zahtjevan zadatak, a taj je da pokušaju pjesmu obuhvatiti sa svih strana u prostoru, da ju pokušaju doživjeti kao objekt. Mada pjesnički tekst u ovom slučaju primamo vizualno, materijal te poezije je dalje jezik.'' Njezine pjesme objavljivane su u časopisima, a ove godine njezina je poezija predstavljena na Vrisku – riječkom festivalu autora i sajmu knjiga.

proza

Iva Sopka: Plišane lisice

Iva Sopka (1987., Vrbas) objavila je više kratkih priča od kojih su najznačajnije objavljene u izboru za književnu nagradu Večernjeg lista “Ranko Marinković” 2011. godine, Zarezovog i Algoritmovog književnog natječaja Prozak 2015. godine, nagrade “Sedmica & Kritična Masa” 2016., 2017. i 2019. godine, natječaja za kratku priču Gradske knjižnice Samobor 2016. godine te natječaja za kratku priču 2016. godine Broda knjižare – broda kulture. Osvojila je drugo mjesto na KSET-ovom natječaju za kratku priču 2015. godine, a kratka priča joj je odabrana među najboljima povodom Mjeseca hrvatske knjige u izboru za književni natječaj KRONOmetaFORA 2019. godine. Kao dopisni član je pohađala radionicu kritičkog čitanja i kreativnog pisanja "Pisaće mašine" pod vodstvom Mime Juračak i Natalije Miletić. Dobitnica je posebnog priznanja 2019. godine žirija nagrade "Sedmica & Kritična masa" za 3. uvrštenje u uži izbor.

proza

Ivana Caktaš: Život u roku

Ivana Caktaš (1994., Split) diplomirala je hrvatski jezik i književnost 2018. godine s temom „Semantika čudovišnog tijela u spekulativnoj fikciji“. Tijekom studiranja je volontirala u Književnoj udruzi Ludens, gdje je sudjelovala u različitim jezikoslovnim i književnim događajima. Odradila je stručno osposobljavanje u osnovnoj školi i trenutno povremeno radi kao zamjena. U Splitu pohađa Školu za crtanje i slikanje pod vodstvom akademskih slikara Marina Baučića i Ivana Svaguše. U slobodno vrijeme piše, crta, slika i volontira.

poezija

Marija Skočibušić: Izbor iz poezije

Marija Skočibušić rođena je 2003. godine u Karlovcu gdje trenutno i pohađa gimnaziju. Sudjeluje na srednjoškolskim literarnim natječajima, a njezina poezija uvrštena je u zbornike Poezitiva i Rukopisi 42. Također je objavljena u časopisima Poezija i Libartes, na internetskom portalu Strane te blogu Pjesnikinja petkom. Sudjelovala je na književnoj tribini Učitavanje u Booksi, a svoju je poeziju čitala na osmom izdanju festivala Stih u regiji.

proza

Philippe Lançon: Zakrpan

Philippe Lançon (1963.) novinar je, pisac i književni kritičar. Piše za francuske novine Libération i satirički časopis Charlie Hebdo. Preživio je napad na redakciju časopisa te 2018. objavio knjigu Zakrpan za koju je dobio niz nagrada, među kojima se ističu Nagrada za najbolju knjigu časopisa Lire 2018., Nagrada Femina, Nagrada Roger-Caillois, posebno priznanje žirija Nagrade Renaudot. Knjiga je prevedena na brojne jezike te od čitatelja i kritike hvaljena kao univerzalno remek-djelo, knjiga koja se svojom humanošću opire svakom nasilju i barbarizmu.

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