BETON INTERNATIONAL
Spezialthema: Was bedeutet das Attentat von Sarajevo für Autorinnen und Autoren aus Südosteuropa im Jahr 2014?
Nedeljko Čabrinović stellte für seine Kollegen, andere Druckereilehrlinge, eine Liste mit Büchern zusammen, die sie lesen müssten, „um in den Worten der Popen Wahrheit und Lüge unterscheiden zu können“. Diese Liste umfasst 26 Titel und ist bis heute erhalten, darunter auch: Prvi maj 1907 (Der erste Mai 1907); Program i organizacija socijaldemokratske stranke u Hrvatskoj (Programm und Organisation der sozialdemokratischen Partei in Kroatien); Das kommunistische Manifest; Proleterijat i klasna borba (Proletariat und Klassenkampf ); Kako buržoazija nova pljačka radnike (Wie die neue Bourgeoisie die Arbeiter ausbeutet); Ispovijed pape Aleksandra II Bordžije (Die Bekenntnisse des Papstes Alexander II. Borgia) …
Danilo Ilić übersetzte buchstäblich bis zum Tag des Attentats Bücher. In der letzten Nacht beendete er die Übersetzung eines Buches von Oscar Wilde. Er übersetzte auch Kierkegaard, Strindberg, Ibsen, Edgar Allan Poe…
***
Jeder Jungbosnier wollte Dichter werden. Princip hatte zwar nur wenig Talent, schrieb aber beharrlich, um besser zu werden. Bei zwei Gelegenheiten zeigte er Freunden seine Verse, das ist belegt. Beim ersten Mal las er Dragutin Mras ein Gedicht vor, das von Rosen handelte, die am Meeresgrund für das geliebte Mädchen blühen. Mras gefiel das Gedicht nicht. Beim anderen Mal erzählte Princip Ivo Andrić von seinen Gedichten. Er versprach, sie ihm zu zeigen, was er aber nie tat. Als Andrić ihn danach fragte, antwortete er, er habe sie vernichtet. Der einzige vollständig erhaltene lyrische Text Princips stammt aus dem Jahr 1911 und steht im Gästebuch der Bergsteigerhütte auf dem Berg Bjelašnica.
1911 war auch das Jahr, das Princip gegenüber Dr. Pappenheim als kritisches Jahr in seinem Leben beschrieb. Damals entwickelten sich seine „Ideale über das Leben“ und er schloss sich der Organisation „Junges Bosnien“ an. In diesem Jahr verliebte er sich auch. Seine letzten Zeilen schrieb er einige Tage vor seinem Tod an eine Wand, er schrieb über Schatten, vor denen die feine Gesellschaft bei Hofe sich fürchtete.
***
Die Bücher aus der Taschenbibliothek des Attentäters fand ich verteilt auf den Seiten des zweibändigen Buches Sarajevo 1914 (Prosveta, Beograd, 1978) von Vladimir Dedijer. Soweit mir bekannt ist, sind diese Bücher bis jetzt nie an einem Ort zusammengestellt worden.
Ein Buch aus der Bibliothek hallte, auswendig gelernt, jahrelang im Kopf eines Attentäters wieder. Es ist immer gefährlich, wenn ein Buch im Kopf nachhallt. Leider kommt das auch heutzutage häufig vor.
***
In die Taschenbibliothek des Attentäters sortierte ich folgende Bücher ein:
Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes
Gavrilo Princip las gerne Abenteuerromane, Alexandre Dumas, Walter Scott und besonders die Abenteuer von Sherlock Holmes.
Bestimmt hat er diese Passage gelesen, in der Watson seinen Freund beschreibt: „Dieser Mangel an Mitteilsamkeit hatte den über das allgemein Menschliche hinausgehenden Eindruck, den er auf mich machte, noch gesteigert, und er erschien mir manchmal als einsamer Fels im Meer, als Verstandesmensch ohne Herz, ebenso bar menschlicher Sympathie wie hervorragend durch seine Intelligenz.“
Nikolaj Černiševski: Was getan werden muss
Nedeljko Čabrinović war 14 Jahre alt, als er das Buch Was getan werden muss las. Sein Vater Vaso erwischte ihn bei der Lektüre, gab ihm eine Ohrfeige und schraubte die Glühbirne aus der Fassung.
Černiševski hatte den Roman 1862 im Gefängnis geschrieben, während er auf sein Verfahren wegen der Anklage auf revolutionäre Umtriebe wartete. Er schrieb über die Bildung einer gerechteren Gesellschaft durch Familienbetriebe. Als er das Manuskript beendet hatte, wurde er verurteilt und nach Sibirien deportiert.
Guy De Maupassant: Mont-Oriol
Als Major Vasić von der „Narodna odbrana“ („Volkswehr“) Čabrinović im Park traf und in dessen Tasche dieses Buch sah, war er sehr enttäuscht. Er bevorzugte serbische Volksdichtung und schenkte Čabrinović eine Sammlung mit Heldenliedern, eine gebundene Ausgabe, die wie für einen Soldaten gemacht war, weil sie in der Brusttasche seines Hemdes eine Kugel abfangen und dem Mann das Leben retten konnte.
Trifko Grabež und Gavrilo Princip wollten Čabrinović nicht mitnehmen, als sie Voja Tankosić, ein Mitglied der „Schwarzen Hand“, besuchten, weil Nedeljko ständig lächelte („das ist mein ganz normaler Gesichtsausdruck“, verteidigte er sich vergeblich). Der arrogante Komita Tankosić mochte keine lächelnden Menschen. Er glaubte, dass sie hinter der freundlichen Miene etwas versteckten. In Gesellschaft von Fanatikern fühlte er sich wohl. Den Jungbosniern schenkte er Pistolen und Bomben und gab ihnen Taschengeld für die Reise.
Jules Payot: Die Erziehung des Willens
Die Erziehung des Willens las Čabrinović 1912 im Gefängnis in Trebinje, wo er drei Tage verbrachte, weil man ihn verdächtigte, Streiks der Druckereiarbeiter organisiert, Maschinen zerstört und Streikbrecher angegriffen zu haben.
Ob nun wegen der Erziehung des Willens oder weil Čabrinović stärker geworden war, auf jeden Fall wurde er von da an nie wieder von seinem Vater geschlagen.
Nedeljko wurde erwachsen und Herr seines eigenen Lebens. Und seines Todes natürlich, wie das eben so ist. Im Prozess sagte er:
„Ich will meinem Vater nicht die Schuld geben, aber wäre die Pädagogik besser gewesen, würde ich nicht auf dieser Bank hier sitzen.”
William Morris: Kunde von Nirgendwo
Ein Exemplar mit den Unterschriften von Princip und Čabrinović ist erhalten. Sie lasen es 1912 und kennzeichneten Stellen, die ihnen besonders gefielen.
Princip unterstrich: „weil wir Zentralisierung vermeiden“, und Čabrinović: „… über das fehlende Interesse der Arbeiter in der kommunistischen Gesellschaft“.
Svetozar Marković: Srpske obmane (Serbische Täuschungen)
Die Jungbosnier teilten Markovićs Haltung, man könne die Gesellschaft durch das Wirken moralisch starker Einzelner mit sozialem Bewusstsein verändern, ihr Beispiel könne dazu beitragen, einen neuen, besseren Typ Mensch hervorzubringen.
Vladimir Gaćinović versuchte, in Paris Trotzki davon zu überzeugen, dass alle Jungbosnier ein moralisches und bescheidenes Leben anstrebten, dass sie alle der Reihe nach revolutionäre Asketen und Puritaner seien. Er versuchte Trotzki zu überzeugen, in seiner Organisation herrsche das Prinzip ausnahmsloser Abstinenz von der Liebe.
Im Fall von Princip stimmte das. Im Gefängnis gestand er Dr. Pappenheim, das er nie eine sexuelle Beziehung gehabt hatte. Er trug einen Gefängniskittel aus grobem Stoff und ohne Knöpfe. Mit seiner gesunden Hand versuchte er, ihn vorne zuzuhalten.
Oscar Wilde: Der glückliche Prinz
Einmal traf Princip Čabrinovićs Schwester Vukosava bei der Lektüre des Schundromans Die Geheimnisse des Hofes von Konstantinopel an. Er kritisierte ihren literarischen Geschmack und brachte ihr Geschichten von Oscar Wilde mit. Jahre später beschrieb Vukosava Princip als zurückhaltenden Knaben, manchmal geistreich, sogar sarkastisch, mit tiefliegenden Augen, schönen Zähnen und sehr hoher Stirn. Leo Pfeffer, Richter in Sarajevo, sah ihn kurz nach der Verhaftung und beschrieb ihn so:
„Der junge Mann war klein, schwächlich, mit langem, gelblich bleichem Gesicht, man konnte sich nur schwer vorstellen, wie er, so klein wie er war, so still und bescheiden, sich zu einem solchen Attentat hatte entschließen können.“
Milutin Uskoković: Došljaci (Die Zugezogenen)
Neben Wilde borgte Princip Vukosava auch Uskokovićs Roman Došljaci. Warum hätte Uskoković der jungen Frau gefallen sollen? Wäre ein Gedichtband vielleicht passender gewesen?
Milutin Uskoković sprang am 15. Oktober 1915 in den Fluss Toplica und ertrank. Seine Freunde sahen den Grund im „Untergang des Vaterlands“.
Oscar Wilde: Kunst als Kritik
Danilo Ilić übersetzte dieses Buch im Jahr 1913, zu einer Zeit, als er intensiv mit den Vorbereitungen des Attentats beschäftigt war. Kurz vor der Tat überlegte er es sich anders.
Bis zum letzten Tag versuchte er Princip und Grabež zu überzeugen, den Plan vom Attentat aufzugeben. Seine Versuche waren, wie wir wissen, vergeblich.
Sima Pandurović: Dani i noći (Tage und Nächte)
An Pandurovićs Poesie schätzte Princip am meisten den Pessimismus. Jovan Skerlić schrieb, zu der Zeit habe Pessimismus die ganze serbische Literatur „überflutet“: „Nie wurden so viele Friedhöfe besungen, nie schien das Nirvana ein so strahlendes Ideal wie in diesen düsteren, traurigen Zeiten.“
Henrik Ibsen: Catilina
Henrik Ibsen sah im permanenten Aufstand das oberste Gesetz des Lebens:
Und ist das Leben nicht steter Kampf
feindlicher Mächte in unserer Seele
Und ist nicht dieser Kampf das einzige Leben
dieser gleichen Seele?
Friedrich Schiller: Wilhelm Tell
Dieses Stück las Bogdan Žerajić wie ein Besessener, während er das Attentat auf General Marijan Varešanin vorbereitete. Er gab fünf Schüsse auf den Gouverneur ab, mit dem sechsten tötete er sich selbst. In seiner Hosentasche fand die Polizei ein Notizbuch voller Zitate aus Wilhelm Tell.
Im Gefängnis behauptete Princip, er habe bereits 1912 an Žerajićs Grab Rache geschworen. In der Nacht vor dem Attentat klaute er Blumen von anderen Gräbern und legte sie auf Žerajićs Grab.
Peter Kropotkin: Die französische Revolution
Bei Žerajić fand die Polizei neben seinem Notizbuch eine Anstecknadel, die der Inspektor in seinem Bericht so beschrieb:
„… sie besteht aus einem roten kreisförmigen Stück Karton mit einem Durchmesser von 10 cm und einem ebenfalls roten erhöhten Rand und zeigt das Porträt eines Mannes mit Haaren und ohne Bart; sein Gesicht ist schrecklich schief, der Mund geöffnet und das Haar zerzaust.“
Dem Leichnam Bogdan Žerajićs ließ die Polizei den Kopf abtrennen und beerdigte den Rest auf dem Teil des Sarajevoer Friedhofs, der Selbstmördern und Obdachlosen vorbehalten war. Sein Kopf wurde im Kriminalmuseum ausgestellt. Zu der Zeit war die Theorie des Kriminologen Lombroso populär, nach der Kriminelle einen speziellen Schädeldefekt aufweisen, und die Polizei glaubte, Žerajićs Kopf könnte der Wissenschaft nützen und die Öffentlichkeit interessieren. Nach dem Fall der Habsburger Monarchie wurde auch der Kopf in Žerajićs Grab gelegt.
Sergej Stepnjak: Podzemna Rusija (Russischer Untergrund)
Kritiker heben an Podzemna Rusija gewöhnlich die Wärme und Zuneigung hervor, mit der Stepnjak von seinen Freunden und Mitkämpfern spricht.
Grabež und Princip waren bis zum letzten Tag der Meinung, Čabrinović sei nicht dazu fähig, das Attentat auszuführen. Grabež hielt ihn für leichtgläubig; er neige dazu, „in jedem Menschen einen Freund zu sehen“. Gegenüber Dr. Pappenheim beschrieb Princip ihn als „Wortklauber“ von geringer Intelligenz. Danilo Ilić sagte einmal, Čabrinović habe die Bombe nur geworfen, um das Vertrauen seiner Freunde zurückzugewinnen.
In der Nacht vor dem Attentat las Nedeljko Čabrinović zum wiederholten Mal Podzemna Rusija. Am Morgen steckte er das Buch neben den Bomben in seine Tasche und ging zur verabredeten Stelle an der Miljacka.
Jasija Torunda: Kada se zemljaci sretnu i druge priče (Wenn sich Landsleute treffen und andere Geschichten)
An den Rändern dieses Buches notierte Princip: „Was dein Feind nicht wissen darf, das verrate keinem Freund. Wenn ich über das Geheimnis schweige, wird es zu meinem Sklaven. Wenn ich es verrate, werde ich zu seinem Sklaven.“
Leonid Andrejev: Priča o sedam obješenih (Die Geschichte von den sieben Gehängten)
Andrejev schreibt über die Hinrichtung von zwei Kriminellen und fünf politischen Häftlingen, wie sie mit dem Tod umgehen, was sie durchleben und was sie kurz vor der Hinrichtung empfinden. Bevor Danilo Ilić hingerichtet wurde, schrieb er drei Briefe an seine Mutter. In zwei Briefen bat er sie um neue Kleidung, was er im dritten schrieb, werden wir nie erfahren. Die Ermittler fanden ihn im Haus von Ilićs Mutter und zerrissen ihn.
Er wurde zusammen mit Miška Jovanović und Veljko Čubrilović am 3. Februar 1915 gehängt. Der Henker Alois Seyfried erzählte später in Interviews, sie seien an der Hinrichtungsstätte ungewöhnlich ruhig gewesen. Er wisse nicht mehr genau, welcher von den dreien zu ihm gesagt habe:
„Ich bitte Sie nur, mich nicht lange zu quälen.“
Der Henker habe geantwortet:
„Keine Sorge, ich bin sehr erfahren in meinem Beruf, es wird nicht mal eine Sekunde dauern.“
Petar Kropotkin: Zapisi revolucionara (Aufzeichnungen eines Revolutionärs)
In der Nacht vor dem Attentat saß Princip in Gesellschaft bis nachts um elf in der Kneipe. Aus der Kneipe ging er dann auf den Friedhof an Žerajićs Grab, streifte danach durch die Stadt und ging schließlich nach Hause. Weil er nicht müde war, verbrachte er den Rest der Nacht mit diesem Buch.
Kropotkin war einer der Lieblingsautoren der Jungbosnier. In seinem Buch Anarchismus und Moral schreibt er: „Zum Teufel mit dem ‚blauen Blut‘, das sich das Recht nimmt, Menschen, die sich nahe stehen und vertrauen, gegeneinander auszuspielen! Wir wollen es nicht und werden es bei jeder Gelegenheit vernichten.“
Milan Rakić: Pjesme (Gedichte)
In schweren Zeiten, und es gab selten andere, verkaufte Princip seine Bücher, um sich Lebensmittel kaufen zu können. Rakićs Gedichtband verkaufte er jedoch nie. Sein Lieblingsgedicht war „Na Gazimestanu“ (Auf dem Gazimestan), und darin die Strophe:
Auch heute in der letzten Schlacht
Ohne den verblassten alten Glanz,
Werd ich für dich mein Leben geben, Vaterland,
Im Wissen, was ich gebe und warum ich gebe.
Im Gefängnis von Theresienstadt wurde Princip von der Tuberkulose aufgefressen. Auf seiner Brust eiterten Wunden und sein rechtes Ellbogengelenk war so porös, dass man Ober- und Unterarm mit Silberdraht verbunden hatte. Er starb am 28. April 1918 um 18.30 Uhr.
Petar Petrović Njegoš: Gorski vijenac (Der Bergkranz)
Ein Buch, das sie alle beherrschte. Der Bergkranz ist das wichtigste Buch in dieser Bibliothek. Es konnte nicht gestohlen, verbrannt oder zerstört werden. Gavrilo Princip kannte es auswendig.
Princip wuchs in einem Haus auf, das unterhalb des Dorfes Crni Potok stand, wo 1875 die Aufständischen ihr größtes Lager hatten. Später eroberten es die Türken und töteten 150 Aufständische.
Als der dreizehnjährige Princip zum ersten Mal nach Sarajevo kam, floh er aus einem Gasthaus, weil ihn die Kleidung, die die Moslems damals trugen, erschreckte. Er schrie: „Türken!“ und rannte hinaus. Es dauerte lange, bis er seine Angst abgelegt hatte. Während er sich eingewöhnte, lernte er den Bergkranz auswendig.
Ja, der Wolf hat auf das Schaf sein Anrecht
So wie der Tyrann auf schwache Menschen;
Doch Tyrannen in den Nacken treten
Sie zu zwingen zu des Rechts Erkenntnis,
Ist des Menschen heiligste Verpflichtung!
Ein natürliches Recht auf Mord.
Tja …
***
Aus der Bibliothek können wir auf ihren Besitzer schließen. Zu welchem Zweck wurde die Taschenbibliothek des Attentäters, wie ich sie nenne, zusammengestellt?
In ihr sind, so will Dedijer uns glauben lassen, die wichtigsten Bücher der Attentäter enthalten. Bücher, die man in ihren Zimmern fand, die sie in Gesprächen erwähnten, an die sich ihre Freunde erinnern, in denen sie ganze Sätze unterstrichen und an deren Ränder sie Bemerkungen notierten.
Doch es wäre unseriös, in der kleinen Bibliothek den Auslöser für Mord und Selbstmord zu sehen. Sie ist bescheiden, beinhaltet gerade mal 20 Titel. Sie würde in einen Rucksack pas-sen und man könnte sie im Laufe eines Sommers lesen. Die Jungbosnier lasen viel, das wird vielerorts bezeugt, es können also nicht alle Titel sein. Wo sind die anderen Bücher?
Es scheint als hätten diese Bücher das Schicksal ihrer Besitzer geteilt. Jeder setzte sie, wie auch mit ihren Besitzern geschehen, für seine Zwecke ein, wie es ihm gerade gefiel – Tankosić, Apis, Pašić, die österreichischen Ermittler, Generäle und Politiker, Nationalisten, Romantiker, ein bisschen hier, ein bisschen dort… Am Ende waren sie verschwunden oder zu etwas geworden, was sie nie gewesen sind.
Wie viele solcher Bücher gab es tatsächlich und wie sähe die Taschenbibliothek des Attentäters mit ihnen aus? Wo sind Princips lyrische Gedichte über Rosen am Meeresgrund, die er Ivo Andrić versprochen hatte?
Das interessiert mich.
Aus dem Bosnischen von
Blanka Stipetić
………………………..
SELVEDIN AVDIĆ
Geboren 1969 in Zenica. Chef-Redakteur des Online-Magazins „Žurnal“. Er schreibt Erzählungen und Romane. Über seinen Roman Sedam strahova (Sieben Ängste; Titel der engl. Übersetzung Seven Terrors) schrieb unlängst ein „The Guardian“-Kritiker: “this remarkable debut illuminating the Bosnian war is like nothing I’ve ever read before”.
Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.
Nur wenige Kilometer von der Stadt Korčula entfernt, am östlichen Ufer der gleichnamigen Insel, liegt das Dorf Lumbarda. Vor mehr als zweitausend Jahren war Lumbarda eine Gemeinde der griechischen Kolonie der Insel Vis.
Im Jahr 1877 entdeckten Archäologen in Lumbarda eine antike Steinschnitzerei, das als Lumbarda-Psephisma bekannt wurde.
Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...
Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.
Modernisierer, Kollaborateure, Faschisten: Die Geschichte und die Wahrnehmung der Balkandeutschen ist vielfältig und bis heute mit Tabus belegt. In den letzten Jahren sind sie jedoch zum Thema der kroatischen Literatur geworden.
Von Martin Sander und Ksenija Cvetković-Sander / Deutschlandfunk kultur
"Und du willst nach Senj, Thilo?“
Ja. Ich wollte trotz des touristischen Überangebot Kroatiens jene Stadt sehen, in die der von den Nazis verfolgte Kurt Held und seine Frau Lisa Tetzner 1940 kamen und Inspiration zum Verfassen der „Roten Zora“ erhielten.