BETON INTERNATIONAL
Spezialthema: Was bedeutet das Attentat von Sarajevo für Autorinnen und Autoren aus Südosteuropa im Jahr 2014?
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
ein verirrtes flugblatt
ein tödliches geschoss
furchtlos an der ecke
stehe ich alleine
ich zittere
ich bin princip
ich stehe an der ecke des automobils
ich bewege mich
bin neunzehn jahre alt
jung brenne ich alt wie
die zündschnur die miljacka das zyanid
ich schieße nicht ich explodiere
ich schieße
stille
hey ihr slawen
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
mit einem bluterguss unter dem auge
mit einem eisigen auge ohne
bluterguss ohne auge
ich verstehe es zu ertragen
ich habe keinen laut von mir gegeben
geschrien habe ich
der schmerz tut keinem gut
der schmerz tut gut
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
brutal wie eine amputierte hand
weich wie ein schwarzer handschuh
lang wie eine pelerine
kurz
ein hustenanfall
fieber
ich zittere am ganzen körper
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
eine idee, die den körper ignoriert
ein körper, der an tuberkulose zerbricht
es gab eine jelena
ich habe verkehrt
ich habe nicht mit frauen verkehrt
ich habe eine gesunde natur
die sinnlichkeit ist sophies sünde
ist nicht sophies sünde
hey ihr slawen
mein körper ist ein kurzer gewehrlauf
ein trog eine wanne ein grab
ein fluss in den ich nie
gestiegen bin
zweimal
nass
zweimal
trocken
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
ich könnte
die ganze stadt in eine
streichholzschachtel stecken und anzünden
mein kuss ist so
fest und feucht
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
ich bin tot geboren nein
ich werde niemals sterben
bin unsterblich wie miloš
miloš hat es nie gegeben
es hat ihn gegeben
hey ihr slawen
ich bin ein zahnrad in einem mechanismus
ein mechanismus der sich
mit blut entzündet
keuchend wie eine million
leichen ein golgatha
wie die freiheit das kino
wie das blut
millionen von leichen die repression
das lager die freiheit hej ihr slawen
hört wie es keucht
tausende von betrieben
hunderte von fabriken schulen häusern
blumen
ich bin das prinzip
der gegensätzlichkeit
ein zahnrad in einem mechanismus
ein mechanismus der sich
mit blut entzündet und keucht
wie eine traktorenkolonne eine
kühlwagenkolonne eine panzerkolonne
tausende leichen
ich bin das prinzip der gegensätzlichkeit
der keim einer idee
das geschoss einer idee
ein geschoss
Aus dem Serbischen von
Jelena Dabić
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ANMERKUNGEN:
„Princip“ ist im Serbischen /Kroatischen/ Bosnischen sowohl „das Prinzip“ als auch ein (seltener) Familienname.
Miljacka: der Fluss, an dem Sarajevo liegt.
Zyanid: Gavrilo Princip und der zweite Attentäter Čabrinović hatten sich vor dem geplanten Attentat je eine Zyanidkapsel besorgt und diese nach dem Schuss auch genommen; das Gift hat allerdings nicht gewirkt.
Hej Sloveni („hey ihr slawen“): der Beginn der jugoslawischen Nationalhymne von 1945 bis 2003.
Miloš: Miloš Obilić, serbischer Adeliger und Nationalheld, fiel 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld im Kampf gegen die Türken.
häuser / blumen: Anspielung auf das „Haus der Blumen“, das Mausoleum von Josip Broz Tito im Belgrader Stadtteil Dedinje.
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DRAGANA MLADENOVIĆ
Geboren 1977 in Frankenberg, lebt in Pančevo, Serbien. Seit 2003 sind sieben Gedichtbände in serbischer Sprache erschienen; in der Übersetzung von Jelena Dabić ist ihr Gedichtband Verwandtschaft im Verlag Edition Korrespondenzen 2011 veröffentlicht worden.
Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.
Nur wenige Kilometer von der Stadt Korčula entfernt, am östlichen Ufer der gleichnamigen Insel, liegt das Dorf Lumbarda. Vor mehr als zweitausend Jahren war Lumbarda eine Gemeinde der griechischen Kolonie der Insel Vis.
Im Jahr 1877 entdeckten Archäologen in Lumbarda eine antike Steinschnitzerei, das als Lumbarda-Psephisma bekannt wurde.
Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...
Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.
Modernisierer, Kollaborateure, Faschisten: Die Geschichte und die Wahrnehmung der Balkandeutschen ist vielfältig und bis heute mit Tabus belegt. In den letzten Jahren sind sie jedoch zum Thema der kroatischen Literatur geworden.
Von Martin Sander und Ksenija Cvetković-Sander / Deutschlandfunk kultur
"Und du willst nach Senj, Thilo?“
Ja. Ich wollte trotz des touristischen Überangebot Kroatiens jene Stadt sehen, in die der von den Nazis verfolgte Kurt Held und seine Frau Lisa Tetzner 1940 kamen und Inspiration zum Verfassen der „Roten Zora“ erhielten.